Sonntag, 13. Mai 2018

Weben mit Tencel

Vor einiger Zeit bin ich auf der Suche nach einem geeigneten Kettgarn auf Tencel gestoßen. Ich kannte die Faser schon aus Kammzugmischungen zum Handspinnen  (schöner Glanzeffekt) und hatte auch schonmal reines Tencel versponnen, was eine etwas rutschige Angelegenheit ist.
Der eigentliche Name ist Lyocell, Tencell ist der Markenname. Wissenswertes findet ihr hier. Kurz gesagt handelt es sich um eine Cellulosefaser, die aus Holz hergestellt wird und im Gegesatz zu Viskose deutlich umweltfreundlicher erzeugt werden kann.
Deshalb z.B. hat  auch Marlin mit ihrem Shop "vegarn" das Garn im Angebot. Bei ihr hatte ich mir eine Kone ungefärbtes Garn der Stärke Nm 15/3 bestellt. Ich hatte zunächst mal eine Probe mit Simlicol gefärbt und nun, als weiteres Färbeexperiment Kette und  Schußgarn gefärbt. Tencell kann man, wie Baumwolle und andere Pflanzenfasern, nur mit Reaktivfarben färben (Pflanzenfarben einmal ausgenommen), ich benutze Procion mx.

Die guten  Trageeigenschaften des Tencel (Weichheit, hohe Absorbtionsfähigkeit, schöner Fall) konnte ich noch nicht testen. Aber färben und verweben läßt es sich sehr gut. Es ist sehr reißfest (auch im nassen Zustand - im Gegensatz zu Viskose) und fusselt nicht. Optisch besonders macht es aber der sanfte Schimmer, der den Vergleich mit Seide nicht scheuen muß.
 Beim Färben der Kette hatte ich diesmal dank der besseren Infos mehr Erfolg als zuletzt hier geschildert und konnte meine Ideen zum größten Teil umsetzen. Anders als beim Wollefärben wird hier nicht mir Wärme fixiert. Nach 24 Stunden Wartezeit konnte ich mich davon überzeugen, daß etwas brauchbares entstanden war.
Jetzt werde ich noch ein bischen fleißig sein, damit der Schal bald auf seine Trageeigenschaften getestet werden kann, ich werde berichten.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Baumwollkette handbemalt

Ich hatte ja schon länger den Plan, Baumwollgarn selbst zu färben. Da ich noch sehr dünnes Konengarn in Bioqualität da hatte, machte ich mich vorige Woche ans Werk. Ich hatte langwierig recherchiert, wie mit den neuen Reaktivfarben nun umzugehen sei. Anders als Wolle, neben Seide bisher mein ausschließliches Färbegut, braucht es zum Färben von Pflanzenfasern Soda und nicht Essig, und natürlich andere Farben. Ich hatte mir zum Ausprobieren ein Set mit Fuchsia, Turkis und Gelb ausgesucht. In Reinform allen nicht meine Farben, aber ich wollte ja mischen.
Leider fand ich nur Anleitungen zum Färben von Stoff im Wasserbad, ich wollte aber Garn in verschiedenen Schattierungen bemalen. Nachdem mein erster Versuch gründlichst gescheitert war, mußte ich erstmal neue Kräfte sammeln. Ich hatte zum Glück zuerst nur einen Strang gefärbt und nicht  die mühevoll hergestellte Webkette. Die Farbe des Strangs erinnerte mich an einen ganz alten Scheuerlappen, an seinem Lebensende. Sollte mir  jemals alles Garn ausgehen, kann ich immer noch einen Scheuerlappen daraus weben.....

Irgendwie klappte es dann, nach weiteren Recherchen und mehreren Tassen Kaffee, doch noch und ich hatte die Kette in ansprechendem Türkis-Grün-Farbverlauf dekoriert. Den ursprünglichen Plan, das Schußgarn in einem passenden dunkleren Ton zu färben, gab ich angesichts des Desasters (Scheuerlappen!) auf und wählte den ungebleichten Baumwollfaden von der Rolle als Schußgarn.
Das Muster ist eine Köpervariation mit 4 Schäften.
Herausgekommen ist schließlich ein weicher, leichter, sommerlicher Schal und eine Menge Erfahrungen.



Montag, 30. April 2018

Mustermix mit vier Schäften


Nun ist er fertig und auch schon getragen, der erste Schal von meinem neuen Tischwebstuhl.  Zuvor gab es ein paar Überraschungen , aber das ist ja zu erwarten, wenn man etwas Neues ausprobiert. Schon das Schären der Kette war eine Herausforderung und das weniger, weil ich meinen neuen Schärbaum erst zum zweiten Mal benutzt habe. Mit dem Schärbaum selbst bin ich sehr zufrieden. Hier auf diesem Bild ist bereits eine andere Kette drauf, die  ich zum Färben abgebunden habe.


Das Problem war, daß der Zustand meiner  Garnreste und die Streifen, die ich machen wollte, zu häufigem Anknoten zwangen, wodurch es ziemlich lange dauerte, die Kette fertig zu bekommen.
Das Aufbäumen auf der ERICA war dann unproblematisch. Das Einziehen der Kettfäden in die Litzen ging auch gut voran, wobei ich die Methode ohne Litzenstecher bevorzuge. Gegen Ende wurde aber klar, was ich als Neuling nicht bedacht hatte. Durch die Musterung waren auf einem Schaft mehr Litzen in Gebrauch als auf den anderen. Drei Zentimeter vor Ende waren nur noch auf drei Schäften Litzen übrig - ich entschloss mich ganz mutig, die letzten Fäden in drei Schäfte einzuziehen. Die Alternative - die Randfäden wegzulassen und den sowieso schon schmalen Schal weiter zu schmälern, erschienen mir noch weniger zweckmäßig. Die Schäfte auseinanderzunehmen und die restlichen Litzen umzuverteilen kam mir garnicht in den Sinn, wahrscheinlich weil ich so froh war, alles zusammengebaut zu haben. Mitterweile habe ich mir weitere Litzen zugelegt und auch auf die Schäfte verteilt, es ging ziemlich einfach, wenn man sie sichert.
Letzendlich ließ es sich auch mit diesem Einzug weben, der linke Rand ist nicht sehr schön und sieht aus wie Leinwandbindung mit flottierendem Schuß. Aber es sollte ja ein Probestück werden und da gehören solche Erfahrungen dazu ! 
Eine weitere wichtige Erkenntnis konnte ich auch über das von mir seit Jahren bevorzugte Kettgarn gewinnen. Ich habe das Merino-Seiden-Singelgarn sehr gerne für Schalketten genommen, da es sich problemlos mit Säurefarben färben läßt und einen schönen Glanz sowie Zugfestigkeit hat.Leider ist die Abriebfestigkeit schlecht.
 Es eignet sich nicht nur nicht für Gatterkämme oberhalb 40/10, sondern auch nicht für das Webblatt 40/10.  Beim Gatterkamm bilden sich vor allem bei den Fädem, die durch die Augen gehen, feste Wollpuschel - sehr stöhrend ! Beim Webbblatt war das zwar nicht der Fall, aber ich hatte nach einer Weile auch Flausch im Webkamm, der den Anschlag beeinträchtigte und den ich unter der Kette kaum rausfummeln konnte.
Das bestärkte mich in dem Gedanken, mir ein neues Kettgarn zu suchen, daß ich auch selber färben kann. Davon werde ich in einem späteren Beitrag berichten.
Da ich bis auf den gelbgrünen Streifen den Einzug "geradedurch" gewählt hatte, musste ich, um ein bischen "Leben in die Bude" zu bekommen, immer mal die Richtung der Schäfte wechseln. Das klappte gut, wenn es auch zu Anfang ziemlich zeitaufwändig war, da ich öfter mal vergaß, wo ich denn nun gerade war. Außerdem mußte ich darauf achten, daß der Randfaden erfaßt wurde, da ich keinen Extrafaden eingezogen hatte. Das empfiehlt sich vor allem bei Köperbindung um einen schönen Rand zu erzeugen.
Das neue Schiffchen - ein "Fliegender Holländer" leistete mir sehr gute Dienste, da ich als Schußfaden das gleiche dünne Garn wie für die Kette benutzt habe.
Obwohl es bei der 30er Breite der ERICA keine richtige "Flugbahn" hatte, war glitt es mühelos durch das geräumige Fach. Zunächst hatte ich eine Plastespule verwendet, aber als meine verspäteten Pappspulen angekommen waren, merkte ich, daß ich damit besser klar kam. Für das Aufspuhlen nutze ich einen Akkuschrauber mit einer Bambusstrumpfstricknadel (was für ein Wort!) Stärke 4. Das geht prima !

Ja, eine weitere Überraschung gab es noch, nachdem ich die Kette abgewebt hatte: der Schal ist ohne Fransen nur 1,40m lang ! Da war ich erstmal platt, zumal ich kaum Kettabfall hatte. Entweder ich habe mich beim Schären vermessen, oder ....eigentlich gibt es keine andere Möglichkeit. Das Garn für die Kettfäden ist nur ganz ganz wenig elastisch, daher scheidet das als Fehlerquelle aus. Naja, als mein Mann dann sofort sagte, das fände er gut, er wünsche sich einen leichten kurzen Schal und ihn auch gleich ausführte, war ich versöhnt und freute mich. 
Mein Fazit für das nächste Mal: mehr Litzen (hab ich),  Litzen nach  Einzugmuster auf den Schäften verteilen, Kette etwas großzügiger schären (ist gemacht), anderes Kettgarn (Baumwolle).

Sonntag, 22. April 2018

Tischwebstuhl Erica

Nachdem ich beim Webkurs Ostern soviel Freude beim Musterweben hatte, habe ich mir den Tischwebstuhl Erica von Louet zugelegt. Man muß ihn zunächst zusammenbauen und ich war sehr froh, daß mir das so gelungen war, daß ich damit auch tatsächlich weben kann ! Die Aufbauanleitung ist sehr übersichtlich und es gibt auch ein Video, das habe ich aber nicht gebraucht. Die vier Schäfte lassen sich sehr gut heben und senken und es bildet sich ein sehr schön großes Fach. Auch mit der Kettspannung bin ich sehr zufrieden.
 Meine erste Kette aus Merino-Seide-Lacegarn, selbstgefärbte Reste aus meiner "Schalwerkstatt".
Ein paar Variationen in Köperbindung mit dunkelgrünem Schußgarn aus demselben Material.


Samstag, 21. April 2018

Webkurs im Werkhof Kukate



Am Osterwochenende habe ich etwas sehr schönes gemacht, auf das ich mich schon lange gefreut hatte: einen Schnupperwebkurs im Werkhof Kukate im wunderschönen Wendland.

Ich hatte ganz klare Vorstellungen für die dreieinhalb Tage und glücklicherweise ließ sich unsere Kursleiterin auch darauf ein. Ich webe ja schon länger auf meinem Gatterkammwebrahmen Schals mit handgesponnenem selbgefärbtem Schußgarn  in Leinwandbindung. Nun wollte ich ausprobieren, ob sich mein Garn sich auch für eine Bindung mit vier Schäften - die Köperbindung- eignet.

Daher mußte ich zuallerst eine Schalkette schären und diese auch einen freien Webstuhl aufziehen.
Beides war für mich vollkommenes Neuland und während die anderen Kursteilnehmerinnen an bereits eingerichteten Webstühlen schon fleißig die Schiffchen flitzen ließen, machte ich mir am Schärbrett zu schaffen. Nach einiger Zeit bereute ich, daß ich den angebotenen Schärbaum abgelehnt hatte. Ich hätte nicht für möglich gehalten, daß ich so lange für die 200 Fäden mit 2,30m Länge brauchen würde.
Mit Hilfe der Kursleiterin konnte ich die dunkelgrüne Baumwollkette dann relativ schnell aufziehen.
Anschließend mußten noch 2 der 4 Schäfte des Kontermarschwebstuhls angebunden werden. Damit war ich nun restlos überfordert und wieder mußte die Kursleiterin ran.
Hier bindet sie die Tritte in einem der größeren Kontermarschwebstühle an:


Als ich dann endlich mit dem Weben beginnen konnte, war ich ein weiteres Mal überrascht, wie schwer es mir fiel, die Hände und Füße zu koordinieren. Da ich vorher noch nie mit einem Handschützen gearbeitet hatte, mußte ich erstmal erkunden, wie man das Garn aufspuhlt und wie es sich - vor allem an den Ecken - verhält. Da ist ja weder Schlaufenbildung noch zu starker Zug erwünscht. Gleichzeitig müssen die Füße die richtigen Tritte in der richtigen Reihenfolge finden und auch zum richtigen Zeitpunkt nach unten treten....und ich hatte nur vier. Es gibt durchaus auch Muster, bei denen man 10 oder 12 Tritte bewältigen muss.


Nach einiger Zeit kam ich dann doch ganz gut mit der Koordination zurecht und es begann, mir Spaß zu machen. Am schönsten wurde es - natürlich - auf den letzten 20cm. Da hatte ich mich dann richtig "eingewebt" und hätte gerne einfach immer weiter gemacht.



Ich hätte auch an einem der anderen großen Webstühle, zum Teil mit Schnellschuß weben können. 
Aber ich hatte mir ja noch ein weiteres Ziel gesetzt, ich wollte an einem kleinen Musterwebstuhl mit Handhebeln weben. Da war die Kette zum Glück schon drauf und ich konnte ganz entspannt verschiedenen Muster mit vier Schäften ausprobieren.
Am letzten Tag gab es dann eine kleine Werkschau und jede  Teilnehmerin zeigte ihre Gewebe. Es sind sehr schöne Ergebnisse dabei gewesen und ich glaube, alle waren überrascht, daß sie so etwas Schönes geschafft hatten.




Mittwoch, 28. Februar 2018

Houndstooth

Ich weiß zwar nicht, warum dieses Muster so heißt, weil ich da eigentlich keine Ähnlichkeiten feststellen konnte :


 Aber es gefällt mir trotzdem sehr gut und ist ein weiterer Versuch, die Möglichkeiten des Gatterkammwebens zu erkunden.
 Ich finde dieses Muster recht simpel und die Kette ist im direkten Einzug auf dem RH schnell gemacht: immer zwei Kettfäden schwarz, die nächsten beiden (das nächste Paar) weiß. Natürlich kann man auch andere Farben verwenden, die einen gewissen Kontrast ergeben. Der Schuß besteht aus derselben Abfolge desselben Garns. Da der Farbwechsel nicht wie beim Log cabin Muster 
nach jedem Schuß notwendig ist, muß man immer nur auf einer Seite die Fäden überkreuzen, um eine schöne Kante zu erhalten.
Ich habe für das Garn jeweils Alpaca in Schwarz mit schwarzer Seide und in Grau mit Seide  versponnen und verzwirnt. Insgesamt habe ich 176 Gramm gebraucht. Der Schal ist 1,75m lang und 20cm breit. Ich mag sonst breitere Schals, aber dieser ist doch relativ dick und da ist die Breite vollkommen ausreichend.
Ich habe mit dem 40/10 Gatterkamm gearbeitet und beim Schuß 3/cm gewählt. Nach dem Waschen und Bügeln zeigte sich, daß das eine gute Wahl war. Das Gewebe fühlt sich weich und anschmiegsam an, ist dabei aber fest und macht einen robusten Eindruck. Die Alpaca/Seidenmischung ist sehr angenehm auf der Haut.




Der Schal ist ein Geburtstagsgeschenk für meinen Mann und bleibt daher in der Familie. Danke auch an Happy, die uns einen kurzen Blick auf ihre beneidenswert weißen Zähne ermöglicht hat !

Donnerstag, 15. Februar 2018

Online Shop

Soeben habe ich meinen neuen Onlineshop eröffnet. Meinen früheren dawanda-shop hatte ich ja schon vor einiger Zeit geschlossen. Nun will ich es mal bei etsy versuchen. Ich habe versucht, den Shop auf der rechten Blogseite zu verlinken, aber diese Funktion gibt es bei etsy nicht (mehr). Deshalb habe ich nun unter meiner Überschrift eine neue Seite eingefügt: mein online-shop.
Ich werde mit der Zeit noch einige schöne Wollsachen einstellen und will auch wieder gefärbte und auch handgesponnene Garne ins Programm aufnehmen.